Enders: „Wir dürfen unser Gesundheitssystem nicht am Essen messen – sondern an der Qualität der Versorgung und an den Menschen dahinter!“
Ein einfaches Tablett mit Brot, Butter, Käse, kaltem Braten, Salat, Joghurt– was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, steht derzeit sinnbildlich für eine Debatte: den Zustand unserer Krankenhäuser.
Brot, Wurst = minderwertig?
Für die Landtagsabgeordnete Susann Enders, ist klar: Der Blick auf einzelne Details greift zu kurz. Viel zu kurz.
„Wir dürfen unser Gesundheitssystem nicht am Essen messen – sondern an der Qualität der Versorgung und den Menschen dahinter. Außerdem sind Brot, Wurst, Käse, Jogurt nicht schlecht!“
Krankenhäuser am Limit
Die Lage der Kliniken in Deutschland ist ernst. Ein Großteil der Häuser steht wirtschaftlich massiv unter Druck. Rund 60 bis 70 Prozent der Krankenhäuser schreiben rote Zahlen, mehr als 80 Prozent gelten als wirtschaftlich angespannt. Auch in Bayern mussten in den vergangenen Jahren über 30 Kliniken schließen oder ihr Angebot deutlich einschränken.
Gleichzeitig steigt die Belastung weiter: mehr Patientinnen und Patienten, zunehmender Fachkräftemangel, immer komplexere Anforderungen.
„Unsere Krankenhäuser kämpfen ums Überleben. Viele drehen jeden Cent dreimal um – und trotzdem erwarten wir oft Leistungen wie in der Sternegastronomie“, so Enders.
Medizinischer Fortschritt – getragen von Menschen
Dabei ist unbestritten: Die medizinische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte ist eine Erfolgsgeschichte. Die Lebenserwartung ist seit den 1970er-Jahren um mehr als zehn Jahre gestiegen. Hochkomplexe Eingriffe sind heute Routine, Überlebenschancen bei schweren Erkrankungen haben sich deutlich verbessert. Doch dieser Fortschritt kommt nicht von allein – er wird von Menschen getragen. Enders weiß das aus eigener Erfahrung. Als ehemalige OP-Schwester kennt sie den Klinikalltag aus nächster Nähe:„Ich habe selbst im OP gestanden. Ich weiß, was diese Teams leisten. Präzision, Verantwortung und Menschlichkeit – oft unter extremem Druck.“
Ein persönlicher Blick auf die Realität
Susann Enders war kürzlich selbst im Krankenhaus, als gesetzlich Versicherte in einem Haus, dass selber ums Überleben kämpft. Sie zieht nach einer mehrstündigen Operation, durchgeführt von einem hochprofessionellen Team, ein klares Fazit: „Ich wurde kompetent, herzlich und auf höchstem medizinischen Niveau betreut. Nach fünf Tagen konnte ich wieder nach Hause. Und ja – das Essen war völlig in Ordnung.“
Der Fokus auf Nebensächlichkeiten greife zu kurz. Entscheidend sei die Qualität der Behandlung – und die sei in Deutschland nach wie vor auf sehr hohem Niveau.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Gleichzeitig beobachtet Enders eine wachsende Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität. Während viele Kliniken ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, steigt das Anspruchsdenken.
„Wir müssen uns ehrlich fragen: Wollen wir perfekte Menüs – oder ein funktionierendes Gesundheitssystem?“ Natürlich müsse das Essen passen und je nach Erkrankung abgestimmt sein. Die tägliche Leistung der Mitarbeiter gerate dabei oft in den Hintergrund. „Das Personal arbeitet am Limit. Und wir bewerten ihre Arbeit anhand eines Essenstabletts? Das wird der Realität nicht gerecht.“
Gemeinsame Verantwortung
Für Enders ist deshalb klar: Die Zukunft der Krankenhäuser ist keine Aufgabe einzelner – sie ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.
Es braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen, eine stabile Finanzierung und gezielte Entlastung für das Personal. Das heißt Einsparungen da wo es Sinn macht und nicht wie bisher am falschen Ende.
Die aktuellen Entscheidungen der Bundesgesundheitsministerin Warken, wie z.B. Bürgergeldempfänger weiter über die Mittel der GKV zu finanzieren und Apothekenzuzahlungen anzuheben, ist dabei ein weiteres Desaster und reiht sich ein in die unzähligen Verschlimmbesserungen der Gesundheitspolitik des Bundes in den vergangenen Jahrzehnten.
Kompetente politische Entscheidungen wären dringend erforderlich.
Gleichzeitig brauchen wir aber auch mehr Verständnis und Wertschätzung in der Gesellschaft – also bei den Menschen selber. Jeder ist dankbar, wenn er Menschen um sich hat, die einem wirklich helfen wollen. „Krankenhäuser zu erhalten, geht nur gemeinsam: Politik, Gesellschaft und Patienten. sinnvolle politische Entscheidungen – weniger Anspruchsdenken – mehr Zusammenhalt. Denn Menschlichkeit ist vorhanden – egal wie die finanzielle Lage ist! Dafür bin ich dankbar!“